„Wer für die Zukunft lebt, muss an seine Vergangenheit denken, um die Gegenwart zu gestalten.“ Vom 20.1. bis 22.1. befanden sich die 10. Klassen auf Studienfahrt in Berlin, um die fächerrelevanten Themen in Geschichte - Sozialkunde - Ethik erlebbar zu überprüfen. Die Methode „Lernen am anderen Ort“, bot vertiefende Einblicke. Der erste Tag wurde intensiv genutzt, um politische Bildung am Ort der Realpolitik zu erfahren. Im ersten Teil trafen unsere Schüler auf die Abgeordnete Elisabeth Kaiser (MdB) im Paul-Löbe Haus, um über die Arbeit von Abgeordneten informiert zu werden, aber auch welche Mitwirkungsmöglichkeiten in unserer Demokratie vorhanden sind, um selbst ein Aktivbürger zu werden. Weiterhin bewegten die Schüler Themen zu aktuellen politischen Lagen, wie z.B. Inwieweit der Krieg in der Ukraine europäische Politik, Wirtschaft und Zusammenarbeit schwäche?, ob wir das Ausmaß eines Kalten Krieges wieder erreicht hätten?, oder inwieweit das Eingreifen von Elon Musk in den Wahlkampf unser demokratisches System herausfordere? Im Anschluss besuchten die Schüler den Bundestag. Dazu bekamen sie die Möglichkeit einen Blick in den Plenarsaal zu erhalten, Berufe innerhalb des Gebäudes kennenzulernen, so z.B. welche Bedeutung den Stenografen für die Erstellung von Protokollen (120 Silben pro Minute) zukommt oder warum lediglich 46 Abgeordnete über z.B. Gesundheitsthemen abstimmen? Denn selbst, wenn der Plenarsaal leer scheint, ist es nicht so, dass keiner arbeitet. Die Schüler erfuhren, was die anderen Abgeordneten währenddessen für Aufgaben haben. 43 Schüler haben verstanden, dass diese Angeordneten nicht faul sind, sondern ggf. an Fraktionssitzungen, Ausschusssitzungen und Beratungen teilnehmen, Expertentätigkeit in verschieden Institutionen leisten müssen und/oder eben Schülern und anderen Besuchern Rede und Antwort stehen usw. Danach ging es auf den gläsernen & verspiegelten Kuppelbau, der eine architektonische und energetische Meisterleistung offenbarte. Einige Schüler stellten sich tapfer ihrer Höhenangst und andere mussten sich in höflicher Zurückhaltung üben, wenn doch die eine oder andere Situation zum Schmunzeln anregte. (Insider ;-) Bis zum Abend haben die Schüler viel Neues erfahren und dennoch hatten manche sogar noch die Energie für eine kleine Geburtstagsfeier. Der nächste Studientag stellte zwei weitere Module bereit. Im ersten Modul konnten unsere Schüler hinter die Türen der Geheimdienstarbeit blicken. Allerdings ist der Besuch des Bundesnachrichtendienstes (BND) psst - top Secret! Wer weiß, ob sich nicht ein Geheimagent unter uns befindet ;-) Daraufhin ging es zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Dort angekommen, konnten sich die Schüler in eine der zwei Ausstellungen, einwählen. Die Ausstellungen beinhalteten Widerstand Jugendlicher, Widerstand einzelner Mitglieder der Wehrmacht, u.a. des Grafen von Stauffenberg bis hin zu Einzelschicksalen Betroffener des NS-Regimes. Indem die Schüler in einem Workshop die Themen aufbereiteten und für ihre Mitschüler vorstellten, konnten sie sogar die Gelegenheit für eine gute Note nutzen. Diese Chance ergriffen viele. Am späten Nachmittag gab es Freizeit in der City. Der letzte Morgen war sehr kalt, aber unser Bus war zum Glück warm, die Gegend um den Wannsee weniger. Dennoch nutzen wir die Möglichkeit zu einem Rundgang, bevor es in die Gedenk- und Bildungsstätte der Wannseekonferenz ging. In zwei Gruppen wurde das Gebäude, aber vor allem die Inhalte der Vergangenheit erschlossen. Die Klasse 10b erfuhr Details zur „geheimen Besprechung der 15 führenden Vertreter der SS, der NSDAP sowie der Ministerialbürokratie“ vom 20. Januar 1942 zur „Endlösung der Judenfrage“, die Klasse 10a konnte in Selbsterkundung die geplante bürokratische Vernichtung von Juden vertiefen. Von der Vergangenheit ging es zur Gegenwart in den Wald der Erinnerungen, bevor wir die Heimreise antraten. Hierbei handelt es sich um einen Ort der persönlichen Trauer für die Angehörigen der gefallenen Soldaten der Bundeswehr, die im Einsatz ihr Leben ließen. Die Idee dazu kam von den Angehörigen, die sich einen Baum im Wald der Erinnerungen aussuchen und ihn individuell gestalten. Dieser Ort schafft Raum für die Trauerbewältigung und bettet sich in das Thema „Sterben und Tod“ des Ethik-Lehrplans ein. Der Schutz der Freiheit und der Sicherheit hat oftmals einen hohen Preis. Wie die Hinterbliebenen damit umgehen, ist so unterschiedlich und individuell wie jeder einzelne Mensch. Der Wald dient nicht nur der Trauerarbeit, sondern auch als Bildungsstätte, um sich mit „möglichen Konsequenzen des Soldatenberufes auseinanderzusetzen“. Dieser Ort hinterließ einen emotionalen Eindruck bei den Schülern. Mit vielen Eindrücken, umfänglichen Informationen, Begegnungen und eigenen Erfahrungen fuhren wir erschöpft, aber dankbar nach Gera zurück. Großer Dank gilt der Jugend-Offizierin Günther, die unseren Schülern Raum und Zeit gibt, Themen des Unterrichtes auf andere Weise zu erschließen.
Text und Bilder: Frau Thomae